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Satiren!

Nippel-News

Heute Morgen wollte ich Badewasser einlaufen lassen. Als ich den Hahn anstellte, war leider dieser Dusch-Nippel noch oben, also auf Dusche gestellt, und so kam das Wasser aus dem Duschkopf und nicht aus dem Hahn. Ich wurde ganz nass. Nat?rlich habe ich keine Ahnung, ob dieses Ding wirklich Nippel hei?t. Es k?nnte auch D?del hei?en, aber das klingt ja auch nicht weniger wie eine Genitalteil-Verniedlichung. Ich glaube, es hei?t Nippel. Als n?mlich mal der Klempner bei mir war, um die Sp?le anzumontieren, hat er sp?ter in die Auftragsbest?tigung ?Becken mittels Nippel abwasserseitig angedr?ckt? geschrieben.

Sp?le anbauen kann ich nicht. Ansonsten bin ich ganz gut im Heimwerken. Das war nicht immer so. Meine Mama hatte fr?her immer Angst, dass ich mit meinen unbegabten H?nden nie in der Lage sein w?rde, auch nur einen Nagel gerade rein zu hauen und daher bestimmt niemals ne Frau abkriegen w?rde. Also hat sie mich mal zu einem D?bel-Kurs angemeldet. Seitdem habe ich eine 800 Watt-Schlaghammerbohrmaschine und kann Ansatz-Spreizd?bel von der Seite setzen. Ich bin so gut darin, dass ich selbst kleine Apothekenkalender immer mit einer Achter-Schraube an der Wand fest d?bele. Meine weiblichen Mitmenschen hat das bisher wenig beeindruckt. Stattdessen darf ich meinen schwulen Bekannten jetzt immer ihre teuren Designer-Regale an die Wand d?beln. In der neuen Neon stand jetzt sogar, dass Frauen sich eigentlich ?berhaupt keine M?nner w?nschen, die heimwerken k?nnen, sondern solche, die zuh?ren und mitf?hlen k?nnen. Toll, hatte meine Mama also vollkommen Unrecht. Aber vielleicht haben die Neon-Redakteure das nur in ihre Zeitschrift geschrieben, weil sie Angst haben, dass sie mit ihren unbegabten H?nden nie in der Lage sein werden, auch nur einen Nagel gerade reinzuhauen und daher bestimmt nie ne Frau abkriegen. Also verbreiten sie ?ber ihre Postille irgendwelche Heinwerker-feindliche Schmutz-Propaganda. Neid, purer Neid!

19.2.06 18:47


Ossendorf-Ode

Heute Morgen ging ich in Ossendorf spazieren. Pl?tzlich, an einer Kreuzung, wurde ich von einer Stra?enbahn nass gespritzt. ?Hoppla?, dachte ich, ?das ist aber mal was neues.?
Normalerweise wird man ja von Autos, die durch Pf?tzen sch?sseln, nass gemacht. Dieses Mal war es die Stra?enbahn, die durch die Wasserlache furchte wie ein Wasserski-Fahrer. Kein gro?es Ding, mag man jetzt sagen, ob Auto oder Stra?enbahn ist doch v?llig egal, nass ist nass. Trotzdem, ich bin immer ?berrascht, wenn Sachen passieren, die man eigentlich von anderen Menschen (oder Dingen) erwartet. Wenn zum Beispiel der Bo-Frost-Mann versucht, mir Wein zu verkaufen oder ich meine Weihnachtspakete in einer ?nderungsschneiderei aufgeben muss, weil dort jetzt die Post-Filiale ist, dann bin ich doch verwundert. Dann zweifele ich daran, ob ich mit diesem st?ndigen Wandel, den meine Umgebung anscheinend durchl?uft, ?berhaupt noch mithalten kann.
Aber ich kann gut verstehen, warum der Stra?enbahnfahrer mich nass spritzen wollte. Seine Linie 5 f?hrt zum Knast. Au?erdem ist Ossendorf wirklich scheu?lich, ein architektonischer Griff in die Sch?ssel. Es ?berkommt einen sicherlich immer eine bet?ubende Melancholie, wenn man dahin fahren muss. Dann findet man geistige Befriedigung und Mu?e wohl h?chstens noch am Leid anderer Menschen. Ich sage Jesus-m??ig: ?Hey, Stra?enbahnfahrer, ich verstehe dich. Ich reiche dir die Hand zur Vers?hnung!?
Neben dem Knast in Ossendorf stehen ganz normale Wohnh?user. Wenn die Menschen dort in ihren G?rten grillen, dann sehen sie immer auf diese Draht umwickelten Gef?ngnismauern. Aber diese Menschen haben Recht: es gibt sicherlich keine sicherere Wohngegend als die direkt neben dem Knast. Einbrecher sind bestimmt abergl?ubisch und meiden solche Gegenden. Fischer k?nnen ja auch selten schwimmen. Und die Gefoulten schie?en Elfmeter ja auch nie selber. Und beim Schnick-Schnack-Schnuck nimmt man ja auch nie zweimal hintereinander ?Schere?. Gut, die Beispiele hinken, aber ich glaube trotzdem an die Theorie mit der sichersten Wohngegend.
15.2.06 17:38


Als ich gestern von der Uni nach hause ging,

kam mir ein fr?hlich pfeifender Student auf seinem Fahrrad entgegen, er fuhr freih?ndig und nicht besonders schnell. Pl?tzlich bremste neben ihm ein Polizeiauto und eine scharfe Stimme schrie: ?H?nde an den Lenker!? Der arme Student erschreckte sich so derma?en, dass er strauchelte und gegen den Zaun eines katholischen Kindergartens knallte. H?tten die bl?den Polizisten ihn doch in Ruhe gelassen, dann w?re das alles nicht passiert!

Schon immer war ich mir sicher, dass Polizisten oftmals mehr Schaden anrichten als sie verhindern. Nein, ich kann nicht sagen, dass ich ein gutes Verh?ltnis zur Polizei habe. Andere f?hlen sich sicher, wenn ein Wachtmeister anwesend ich, mich ?berkommt dann immer ein mulmiges Gef?hl. Ich habe eben schlechte Erfahrungen mit der Polizei.

Als wir 10 Jahre alt und neu auf dem Gymnasium waren, schlenderten Lorenz und ich einmal, an einem wunderbar warmen Fr?hlingstag, fr?hlich von der Schule nach hause. Wir freuten uns am Wetter und an den Eichh?rnchen, die auf der Stra?e herumtollten, dazu a?en wir Eis mit zwei Kugeln Stratziatella. Da kam uns ein Schutzmann auf seinem Fahrrad entgegen. Lorenz l?ftete seine M?tze und sagte freundlich ?Hallo, Herr Bulle.? Der Schutzmann, der f?rchterlich schwitzte, sprang sofort vom Rad und auf Lorenz zu. ?Hast du mich gerade Bulle genannt??, fragte er. ?Ja?, antwortete Lorenz wahrheitsgem??. ?Aha. Wie hei?t du??, fragte der Polizist grimmig und z?ckte sein Notizbuch. ?Lorenz?, sagte Lorenz. ? ?Und mit Vornamen?? ? ?Lorenz?, sagte Lorenz. ?Also Lorenz Lorenz?? ? ?Nein, das ist nicht korrekt?, meinte Lorenz nachdenklich. Da zog der Polizist Lorenz am Ohr und fragte, ob er ihn f?r dumm verkaufen wolle.

Mit 15 wurden Andy und ich von zwei Gesetzesh?tern verhaftet, weil wir nachts, zu zweit, betrunken, ohne Helm und mit einem D?ner in der Hand auf Andys Mofa in der Stadt herumgefahren waren und Krach gemacht hatten. Au?erdem hatte Andy das Nummernschild von Dennis? Mofa an seine geschraubt, um die Versicherung zu sparen. Die Polizisten leuchteten uns mit ihren Taschenlampen ins Gesicht und sagten andauernd ?das ist bitter, ganz bitter.? Andy musste pusten und merkte schnell, dass er besser nicht gesagt h?tte, dass er gar nichts getrunken h?tte. Gl?cklicherweise waren die Polizisten einigerma?en gn?dig und zeigten Andy lediglich wegen Versicherungsbetrug an. Dass wir betrunken, ohne Helm, zu zweit und mit D?ner rumgeheizt waren, lie?en sie weg.

Bei einer Anti-Castor-Demo in Ahaus hatte ich mich mal auf die Sto?stange eines Polizei-Bullis gestellt, um einen besseren ?berblick zu haben. ?Kein Castor in Sicht?, meldete ich meinen Freunden, die ich hinter mir w?hnte. ?Sch?n?, sagte eine tiefe Bullenstimme, ?und jetzt komm runter da, du Strolch.? Ich hatte ihn irgendwie nicht kommen sehen. Er lie? mich laufen, ich musste nur die Sto?stange abwischen, die ich mit meinen Gummistiefeln schmutzig gemacht hatte.

Einmal bekam ich sogar einen Platzverweis. Bei einer Anti-Nazi-Demo in K?ln-Kalk waren wir nichts ahnend dem Demonstrationszug gefolgt, dessen Anf?hrer allerdings nicht ? wie mit der Polizei abgesprochen ? von den Nazis weg, sondern auf die Nazis zu marschierten. Die Polizei kesselte uns in einer Seitenstra?e ein und wir verpassten die Bundesliga. Stundenlang mussten wir im Regen stehen und frieren. ?Schei? Bullen, wir haben Durst?, schrie ein freundlicher Punk. ?Wir sind keine Unmenschen?, sprachen die Polizisten durchs Megafon und reichten uns ein paar Kisten Wasser r?ber. Ich glaube aber, der Punk hatte was anderes gemeint. Nach drei Stunden im Kessel kam ich endlich frei, vorher wurden allerdings meine Personalien aufgenommen und ich penibel abgetastet. ?Herr Stanislawski, hiermit erteile ich Ihnen einen Platzverweis f?r K?ln-Kalk?, sagte man mir zum Schluss. Ob die Polizisten wohl ?Voll Normal? gesehen hatten?
15.1.06 14:22


Als der Bürgermeister von Detmold mein Briefträger wurde

Das ist eine waaahnsinnig ulkige Geschichte. Leider ist sie etwas kompliziert und verworren, ich muss daf?r weit ausholen. Hoffentlich kann ich die Story einigerma?en verst?ndlich r?berbringen?

Also, alles begann, als kurz vor Weihnachten eine Freundin meiner Mutter bei uns klingelte. Sie hatte beim Ausmisten ihres B?cherschranks eine bebilderte Festschrift zum zehnj?hrigen Bestehen der Detmolder Gleichstellungsstelle aus dem Jahre 1996 gefunden. Darin war auf dem Knick zwischen Seite 30 und 31 ein Foto abgedruckt, das eine Demonstration von f?nf zornigen Damen ? mit Protestschildern bewaffnet ? f?r eine Gleichstellungsstelle in der Stadtverwaltung Detmold zeigte. Ebenfalls dabei waren mein Vater und ich, damals h?chstens zwei Jahre alt. Weil sie uns das Bild zeigen wollte, hatte Mamas Bekannte uns das Buch vorbeigebracht. Ich wollte das Bild unbedingt haben. Da es aber auf den Knick gedruckt war, konnte man es nicht ausschneiden oder kopieren. Also rief ich bei der Stadtverwaltung an und lie? mich mit der Gleichstellungsbeauftragten, Frau Homeyer, verbinden. Ich fragte sie, ob es eine M?glichkeit g?be, an das Bild zu kommen, woraufhin sie meinte, ich k?nnte vorbeikommen und im Archiv nachschauen, vielleicht w?rde ich das Bild ja finden. Also ging ich am n?chsten Tag zum Rathaus zu Frau Homeyer. Sie gab mir einen Pappkarton. ?Unser Archiv?, sagte sie lachend. Ich suchte mir das Bild raus und noch ein paar andere, auf denen ich zu sehen war und lieh sie mir aus. Dann ging ich zum Fotogesch?ft und bestellte ein paar Kopien von den Bildern. Das dauerte eine Woche. Dann holte ich die Bilder ab. Die Originale mussten aber wieder zur?ck ins Archiv von Frau Homeyer, also ging ich wieder zum Rathaus. Allerdings war es Freitag und es war auch schon fast vier, also war das Rathaus bereits abgeschlossen. Denn Freitag nach eins macht jeder seins. Als ich gerade wieder umkehren wollte, kam mir der B?rgermeister entgegen. Er hatte gesehen, dass ich vergeblich am Rathaustor ger?ttelt hatte und fragte freundlich, ob er mir helfen k?nne.

---Achtung, erst jetzt beginnt die eigentliche Geschichte---
Ich war reichlich verwirrt, pl?tzlich vor dem B?rgermeister zu stehen. ?Ja?, stammelte ich, ?diese Bilder hier m?ssten zu Frau Homeyer.? ? ?Geben Sie her?, meinte der B?rgermeister, ?die sehe ich eh am Montag.? Ich gab ihm die Bilder, die in einem Umschlag steckten. ?Vielleicht sollte ich noch draufschreiben, dass die Bilder f?r Frau Homeyer sind?, ?berlegte ich laut. Also gab der B?rgermeister mir die Bilder zur?ck. Ich schrieb im Stehen und mit zitternder Hand ? ?z.Hd. Frau Ho? drauf, dann wusste ich nicht mehr weiter und fragte den B?rgermeister: ?Schreibt man Hohmeyer mit h??? ?Ja, mit h?, antwortete er knapp und trat auf das andere Bein. Sein Blick schweifte in die Ferne. Es schien ihn zu fr?steln, denn er fing an, sich den Unterarm zu reiben. Ich schrieb also ?z.Hd. Frau Hohmeyer? auf den Umschlag und gab ihn dem B?rgermeister. ?Ach so, in der Mitte ohne h?, sagte er nachdenklich, als er den bekrickelten Umschlag sah. Aber er nahm ihn mit und ich w?nschte ihm ein sch?nes Wochenende.

War mir auch klar, dass man Homeyer vorne mit h schreibt. Wahrscheinlich hielt der B?rgermeister mich f?r einen Trottel?
15.1.06 17:35


Zwei

Entwicklungen waren damals n?tig, damit aus barbarischen H?hlenwesen ohne Tischmanieren die heutigen zivilisierten Menschen mit Profilneurose und Akne werden konnten. Zum einen mussten die Dinosaurier aussterben und zum anderen mussten die Menschen bemerken, dass sich durch Arbeitsteilung viele Arbeitsabl?ufe effizienter und output-orientierter erledigen lie?en. Seitdem teilen wir uns die Arbeit auf und jeder spezialisiert sich auf das, was er am besten kann: Jagen, sammeln, lehren, leeren, K?rbe flechten, abzocken?

Nur an einer Stelle funktioniert das nicht: Auf dem Gehweg vor dem Haus. Da muss jeder noch einzeln ran, wenn?s nachts geschneit hat. ?Hier hat die soziale Evolution versagt?, sage ich weise und kucke intellektuell ?ber den Rand meiner Brille. Jeden beschissenen Morgen muss ich raus und den schei? Schnee zur Seite schieben, damit sich kein verdammter Penner auf die Fresse legt. ?Warum teilt man nicht auch diese Arbeit unter den Bewohnern einer Stra?e auf??, frage ich. ?W?rdest du denn dann wirklich mit Freuden die ganze Stra?e frei schippen, wenn du mal dran bist damit??, fragt mich Erwin*, der alte Fuchs. ?Nat?rlich nicht?, antworte ich, ?ich kann ja andere Arbeiten ?bernehmen innerhalb der Stra?engemeinschaft, Minnesang oder politische Kaderschulung zum Beispiel.?
Wirklich, Schnee schippen ist nichts f?r mich. Ich habe n?mlich eine Stelle in der Wirbels?ule, die ich nicht biegen kann und die mir schnell weh tut, eine so genannte oder auch ?Skoliose?. Fr?her musste ich deswegen immer zur Krankengymnastik gehen und alle acht Wochen bei einem depressiven Orthop?den stundenlang im Wartezimmer sitzen, zwischen lauter Rentnern mit Gelenkrheuma. Unsch?n.

Das mit der Arbeitsteilung in unserer Stra?e wird wohl nichts. Die Nachbarn sind immer noch sauer, weil ich damals ihre B?rgerinitiative gegen eine Umgestaltung des Naherholungsgebietes (gibt es eigentlich auf Fernerholungsgebiete?) hinter unserer Siedlung verh?hnt habe. ?Setzt euch doch f?r etwas sinnvolles ein?, hatte ich ihnen damals vorgeschlagen, als sie mich f?r ihre ?Sache? gewinnen wollten. ?Zum Beispiel daf?r, dass Hundefutter, Kochb?cher und Abf?hrmittel endlich von dieser markt-feindlichen Preisbindung befreit werden. Oder dass Pinguine endlich ohne Aufnahmepr?fung Polizisten werden d?rfen.? Dann hatte ich weiter Leslie-Nielsen-Filme gekuckt und der B?rgerinitiative die T?r vor der Nase zugeschlagen. Und so muss ich wohl weiterhin morgens fr?h rausgehen und mit reichlich Streusalz den Gehweg p?keln.

* Name von der Redaktion erfunden
29.12.05 14:09


Wieder einmal

habe ich mir im Kino einen Film angesehen, der vorher in den Leitmedien dieser Nation verrissen worden war ? und fand ihn eigentlich ziemlich gut. Das kommt in letzter Zeit h?ufiger vor. Ich fand ?NVA? nicht zu sarkastisch, ?Der Fischer und seine Frau? nicht zu langatmig und mich hat es auch nicht gest?rt, dass ?Die wei?e Massai? nicht noch trauriger war. F?r mich war der Film traurig genug, auch wenn der Roman eigentlich noch viel trauriger sein soll, jaja, ich wei?. Jedenfalls habe ich alle drei Filme gerne gesehen, obwohl alle bei den Kritikern durchgefallen waren.
Was zeigt das ?ber mich? Geh?re ich mittlerweile etwa zur anspruchslosen Masse, die mit Brachial-Klamauk, Groschenheft-Romantik und Pseudo-Dramatik zufrieden zu stellen ist? Bin ich wom?glich nur ein weiterer willenloser Konsument kulturloser Massenunterhaltung, gefangen in den manipulativen Klauen der Massenmedien? Bin ich nichts weiter als eine Nummer in der Zielgruppenanalyse der Werbeindustrie, verdumpft und verbl?det durch ?Bild, Bams und Glotze? und unf?hig zur umfassenden kulturellen Qualit?tsanalyse? Hilfe, bin ich etwa billig?
Oder bin ich eher so etwas wie die nonkonformistische Speerspitze der Kritiker-Kritiker? Geh?re ich zu den Leuten, die sich von diesem Kartell klugschei?ender Besserwisser nichts sagen l?sst, und das schon lange nicht mehr? Kann ich die Kritiker guten Gewissens verh?hnen, weil sie sowieso alle wegen Menstruations- und Prostatabeschwerden verbittert sind und in ihren Artikeln nur den eigenen Frust rauslassen wollen? Ist verrei?en das einzige, was ihnen noch Spa? bringt in ihrem tristen Leben mit Ehestreit und Reihenhaus? Ist Mitleid das einzig vertretbare Gef?hl, wenn man Kritiken liest?
Oder bin ich nur ein romantischer Querkopf, ein Freigeist voll utopisch-abwegiger Vorstellungen, der sich einbildet, er d?rfe in dieser Gesellschaft Kulturangebote wirklich einfach mal so finden, wie er m?chte? Der keinen Druck versp?rt, mit Kultur-Kommentaren seine Zugeh?rigkeit zu bestimmten Gruppen, Schichten oder Klassen beweisen zu m?ssen. Der sich weder den Kritikern noch den Kritikern der Kritiker anbiedern m?chte. Der nach den Simpsons in die Oper geht und vom Stadion direkt zur Ausstellungs-Er?ffnung, einfach weil es Spa? macht. Ein Mensch ohne Angst vor SAT.1 und ohne Verkl?rung von arte.

Ich wei? es nicht. Falls mal jemand eine Biographie ?ber mich schreibt, wird der die diese Frage beantworten m?ssen. Hoffentlich bekommt mein Leben gute Kritiken!
30.10.05 13:18


Eben war ich beim Bäcker

und habe mir ein Brot f?r 1,89 gekauft und elf einzelne Ein-Cent-St?cke zur?ckbekommen. Ist das zu fassen? Jetzt quillt mein Portmonee endg?ltig ?ber, nicht von Scheinen, nein, sondern von diesen fiesen unbrauchbaren Mini-M?nzen. Es ist mittlerweile so schwer, dass ich mir den Mittelfu? anstauchte, als es mir versehentlich auf den Fu? fiel.
F?nf-Cent-M?nzen nehme ich ausdr?cklich von meiner Kritik aus, die sind einigerma?en n?tzlich, man kann sie zum Beispiel ganz gut in Kaffeeautomaten stopfen, wenn man Zeit hat. Aber dieser restliche Klumpatsch, der wiegt zehn Tonnen und ist nichts wert. Also wohin damit? Fr?her konnte ich Cent-St?cke, die aus Irland oder so kamen, wenigstens noch meiner Kusine schenken, die sammelte M?nzen aus fernen, barbarischen Kulturen. Heute hat sie die aber alle schon und studiert Veterin?rmedizin.

Ich k?nnte die M?nzen erstmal in einer Schachtel sammeln und dann irgendwann zur Bank bringen. Aber, hey, ich wei?, dass ich dazu zu faul bin. Ich w?rde wohl so lange sammeln, bis die EZB anruft und sagt, jetzt h?tte ich 60 Prozent der europ?ischen M?nzbest?nde bei mir und wo das denn noch hinf?hren solle. Ich habe auch noch einen Scheck von meinem Waschsalonbesitzer, weil ich mal drei Euro in seine Maschine getan hatte, die meine W?sche zwar wunderbar einweichte, aber nicht wusch. Auch den habe ich nie eingel?st. Ein Gang zur Bank w?rde mich etwa eine Stunde kosten, in der Zeit k?nnte ich viele fetzige Storys schreiben und verkaufen und w?rde so viel mehr Geld machen. Meine Zeit w?re also am Schreibtisch gewinnbringender investiert. Gut, ich habe noch nie eine Story verkauft (?Stanislawski, der Schei? ist nicht komisch?!?), aber trotzdem?

Benjamin von Dingsbums-Barre wirft Kleingeld einfach immer in den M?ll. Hat er mal gesagt. Das ist Rock?n?Roll. Mir aber viel zu arrogant. Damit macht man sich doch lustig ?ber die, die kein Geld haben. So wie ich. Der Monatserste ist noch paar Tage hin und ich hab nicht mal mehr Geld f?r saure Drops. Ich werde mal meine Pfandflaschen wegbringen.

Die Mini-M?nzen lasse ich in meinem Portmonee, sie erinnern mich an die ungel?sten Probleme dieser Welt.
7.8.05 12:15


Ich habe Briefwahl gemacht.

Aber ich mache mir Sorgen um meinen Wahlschein. Gro?e Sorgen. Dummerweise a? ich gerade Wurstbrote, als ich ihn ausf?llte. Jetzt sind Fettflecken drauf und er ist im unteren Bereich, da wo die komischen Parteien stehen, ganz durchsichtig geworden. Au?erdem hat ihn meine Mutter als Notizzettel benutzt und mit einem roten Buntstift das Wort ?Kuchen? oben an den Rand geschrieben. Bald ist Jubil?um beim S?ngerbund Concordia, da muss sie wohl einen Kuchen beitragen. Aber musste sie daf?r ausgerechnet meinen Wahlschein sch?nden? Zu allem Ungl?ck habe ich auch noch eine ausgepr?gte Kreuz-Neurose. Ich bin immer so schrecklich unsicher, ob ich mein Kreuzchen richtig gemalt habe. D?rfen die Striche ?ber den Kreis herauskucken oder ist dann schon alles aus? Wie gro? muss der Winkel zwischen den beiden Strichen sein? In der Bundestagswahldurchf?hrungsverornung (BuWaDuF?Ve) steht bestimmt unter Paragraph 16b: ?Der Winkel zwischen den beiden Kreuzschenkeln soll 90 Grad betragen. Eine Standartabweichung von sechs Prozent wird toleriert.? Und darf man zum Ankreuzen einen roten Buntstift benutzen? Der lag n?mlich zuf?llig neben meinem Wahlschein und da hab ich ihn ohne nachzudenken einfach benutzt? Hilfe, bestimmt z?hlt in meinem Wahllokal ein geschiedener Studienrat die Stimmen aus und zieht mir wegen ?u?erer M?ngel gleich zwei Noten ab. Dann ist mein Wahlschein ung?ltig und ich habe meine demokratischen B?rgerpflichten str?flich vernachl?ssigt. Und dann gewinnen die Kommunisten und ich komme in den Gulag. Hilfe! Am besten kaufe ich mir gleich eine rote Fahne und h?nge sie in den Flur. Vielleicht rettet mich das?
16.9.05 17:11


Andauernd

bekomme ich Werbemails, in der mir Angebote gemacht werden, wie ich meinen Penis verl?ngern k?nnte. Wieso bekomme ich blo? immer diese mails? Ich werde schon ganz unruhig. Meint da jemand, dass ich Bedarf h?tte oder dass es zumindest verkehrt nicht sein w?rde? Hat da eine f?rsorgliche Bekannte der Werbeindustrie einen Wink gegeben? Oder habe ich selbst durch mein Surfverhalten die Aufmerksamkeit der Penis-Forschung auf mich gezogen? Das geht ja schnell, man gibt bei Google ?Iris-Ver?u?erung? ein, weil man einen Blumenladen sucht, und weil das so ?hnlich klingt wie Penis-Vergr??erung ist man schwups als hilfsbed?rftiger Schrumpfschwanz bekannt.
In den Werbemails wird einem richtig Angst gemacht: 67 Prozent der Frauen seien mit den entsprechenden Ausma?en ihres Partners unzufrieden, hei?t es da. Woanders wird man gefragt ?are you getting the kind of wood you really want?? also ?bekommen Sie die Sorte Holz, die Sie wirklich wollen?? Wie wenn man sein Billy-Regal in Birke kauft, weil Buche aus ist, nur hier auf die ausgelagerte Zweigstelle des K?rpers bezogen. Wer will schon unzufriedene Frauen und Birke statt Buche? Klar, dass da viele M?nner schwach werden.
Auf einer Seite wird eine Paste angepriesen, die man in die Lendengegend reiben muss und die dann nachts die Zellen st?hlt und streckt und die zu Zuwachsraten ?previously thought impossible? f?hren soll. Das ?Steel-Package?, eine Art Einsteiger-Paket, perfekt als Geschenk f?r den Chef, gibt es f?r 59 Dollar, das Platinum-Package mit genug Paste f?r sechs Monate kostet 199. Ist Stahl nicht h?rter als Platin? Dann w?re die Produktbeschreibung irref?hrend. Jedenfalls gibt es auf der Homepage - nat?rlich vollkommen unzensierte ? Erfahrungsberichte. Da freut sich Sandy aus Seattle ?ber die neue Performance ihres Mackers und Cindy aus Arkansas meint, sie fiele danach immer 100 Prozent zufriedengestellt in den Schlaf. Es gibt auch Pr?parate, mit denen ?increase your sperm volume by up to 500 percent? m?glich sein soll, 100 Prozent Mengen-Zuwachs wird bei SpermaXX garantiert. Was ist denn der Vorteil von mehr Schleim? Gibt das doppelten Lohn bei der Samenbank?
Noch beantworte ich die mails h?flich ablehnend. Ich sage, dass ich mich zwar ehrlich freue f?r Sandy und Cincy, dass ich aber keinen Bedarf h?tte. Aber die mails kommen trotzdem. Immer wieder. Hilfe!
10.10.05 17:17


Hamburg ist eine der wenigen Städte,

in denen man noch eine Bahnsteigkarte kaufen muss, wenn man einen S-Bahnhof besuchen m?chte ohne mit der S-Bahn fahren zu wollen. Aber was - zum Henker! ? soll ich da denn sonst machen, mag man sich zu Recht fragen. Anscheinend sieht der Hamburger Verkehrsverbund hier Einnahmem?glichkeiten, die man sich nicht entgehen lassen sollte, wenn man ein Verkehrsverbund ist. Ich habe mich mal zwei Stunden undercover neben den Fahrkartenautomaten in Poppenb?ttel gestellt und nach Bahnsteigkartenk?ufern Ausschau gehalten. Fehlanzeige! Die Bilanz: Sieben Einzelfahrkarten der Preisstufe 2, ein Gruppenticket f?r Senioren und ein Hundefahrschein wurden gel?st, aber keine Bahnsteigkarte. Die kauft kein Schwein. Egal, jedenfalls liegt Hamburgs Bahnsteigkarte mit ihrem Preis von 25 Cent im nationalen Preisvergleich auf Platz zwei. Bronze geht an M?nchen, da ist die Stunde gem?tliches Rumlungern im S-Bahnhof schon f?r unschlagbare zehn Cent zu haben. Den Spitzenpreis h?lt das kleine Bad Saarow am Scharm?tzelsee: Beim diesj?hrigen Bahnhofsfest kostete die Bahnsteigkarte stolze drei Euro, berechtigte allerdings auch zur Teilnahme an der gro?en Tombola. Das Preis-Leistungs-Verh?ltnis war also besser als in Hamburg, wo G?ste nur gelegentlich mit klassischer Musik bei Laune gehalten werden, sonst aber auf jegliches kulturelles Begleitprogramm verzichten m?ssen!
14.9.05 12:14


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