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Die Düsen im Spaßbad

Gestern war ich nach über zehn Jahren zum ersten Mal wieder in unserem örtlichen Spaßbad. Einmal zwei Stunden mit ohne Sauna, Student. Ja, selbstverständlich kann ich beweisen, dass ich Student bin. Klar, da könnte ja sonst jeder kommen, natürlich. Ich weiß, Sie machen auch nur Ihren Job.

Geändert hatte sich wenig in unserem Spaßbad. Für die Drehkreuze gibt es statt Magnetkarten mittlerweile in die Schrankschlüssel eingenähte Mikrochips. Man musste wohl mit der Zeit gehen. Aber ansonsten nichts Neues. Auch der Bademeister ist noch derselbe. Aber er scheint nicht mehr ganz derselbe zu sein: Früher stolzierte er pavianös am Sportbecken entlang und rief mit donnernder Stimme Unholde zur Ordnung. Seinem wachsamen Auge entging kein Verstoß gegen die Badeordnung, keine Bombe in den Whirlpool, kein Köpper vom Rand, kein Schwimmen bei Völlegefühl. Doch das viele Nacktrutscher-Ermahnen und Schwimmflossen-Verleihen scheint ihn zermürbt zu haben. Er geht gebückt und stiert ins Leere. Vielleicht ist er an dem Punkt, wo man sich fragt, ob das denn schon alles gewesen sein soll im Leben. Oder seine Frau ist ihm weg geschwommen, wer weiß.

In dem kleinen Außenbecken sah ich ein Schild mit einem durchgestrichenen Mobiltelefon. So ein Quatsch, dachte ich, wer sollte denn so blöd sein und sein Handy mit ins Außenbecken nehmen, das wird doch nass. Aber ich bin ja sehr kurzsichtig – als ich näher ran schwamm, war da gar kein Handy durchgestrichen, sondern eine Zigarette. Meiner Meinung nach ist das noch um einiges dümmer.

Eigentlich wollte ich nur ein paar Bahnen schwimmen, um endlich mal etwas für meine Kondition zu tun. Ich ging also ins Sportbecken - leider waren vier von fünf Bahnen durch einen Sportverein belegt. Durchtrainierte Kampfkrauler zogen da monoton ihre Bahnen, angepeitscht von einer unsympathischen Schrulle, die ständig Zwischenzeiten in die Gegend brüllte. Leider war die einzig freie Bahn die mittlere - aber zum Glück war die leer. Ich schwamm ein paar Mal hin und her, doch es war deprimierend – die Krauler schwammen mehr als doppelt so schnell wie ich. „Gut, im Gegensatz zu mir haben die sich die Brusthaare rasiert“, dachte ich zunächst noch. „Lernt man ja bei jeder Tour de France, dass mit Aerodynamik einige Sekunden rauszuholen sind.“ Aber bald wurde es mir zu blöd, als gebrochener Mann verließ ich das Becken.

Den Rest der Zeit stellte ich mich im Solebecken auf eine Fußmassagedüse. Dann kam ein Trupp Rentner und ich musste fliehen. Es lebe der Breitensport!
8.3.06 18:54
 


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