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Wenn der GEZ-Mann zweimal klingelt...

Langsam werden wir nervös. Mittlerweile fallen uns kaum noch neue Ausreden mehr ein, um den GEZ-Mann abzuwimmeln an der Tür. („Wir sind hier nur zu Besuch, tut uns leid.“ „Wegen Beulenpest in Quarantäne, nicht mal der Hund darf rein, sorry.“ „Oh, wir sind leider gerade nicht da – ja, morgen wären wir da – genau, 17 Uhr passt uns auch am besten, wir freuen uns.“ „Tut uns leid, jetzt ist gerade der Exorzist gekommen, zu dumm, aber der braucht leider Ruhe, um sich zu konzentrieren.“)

Unser GEZ-Mann ist sehr anhänglich. Er klingelt inzwischen beinahe täglich und jedes Mal bekommen wir einen Mordsschrecken. Wir machen schon lange niemandem mehr die Tür auf. Wir haben den Schrank vor die Tür gerückt und verlassen das Haus nur über die Feuerleiter.

Zum Glück gilt es in meinen Kreisen noch immer als cool, nicht bei der GEZ angemeldet zu sein. Ich habe dazu noch den Vorteil, dass ich einige politische Artikel verfasst habe, in denen ich fordere, die öffentlich-rechtlichen Programme über normale Steuern zu finanzieren. Dass ich nicht angemeldet bin, ist also ein bewusster politischer Akt. Ich gehöre sozusagen zur radikalen medienpolitischen Avantgarde. Ich bin jemand, der eine Mission hat, der an etwas glaubt, der aufrecht im Gerichtssaal sitzen würde, wenn es zur Anklage käme – bereit, als Märtyrer verehrt zu werden.

Natürlich stimmt das nicht, natürlich bin ich einfach nur geizig. Eigentlich habe ich ein schlechtes Gewissen, schließlich will ich auch mal Journalist werden. Und eigentlich tut mir der GEZ-Mann auch sehr leid. Das ist ja wohl der beschissenste Job, den man sich vorstellen kann. GEZ-Menschen werden nach Erfolg bezahlt. Sie haben also eigentlich überhaupt kein Interesse, dass du deine Gebühren zahlst. Eigentlich wollen sie nur dabei sein, wenn du dich entscheidest, sie zu zahlen, denn dann können sie Provision einstreichen. Wollte ich meinen GEZ-Mann ärgern, würde ich direkt vor seiner Nase genüsslich eine Online-Anmeldung vornehmen - dann würde er nämlich nix bekommen, haha.

Nein, das wäre gemein. Persönlich habe ich auch nichts gegen meinen GEZ-Mann. Ich denke viel an ihn in letzter Zeit. Was er wohl für ein Mensch ist? Vielleicht liebt er es, wenn ihm jemand an den Ohren knabbert… Vielleicht fährt er in der Freizeit pensionierte Kollegen zum Rommé-Abend… Vielleicht töpfert er gerne putzige Terrakotta-Enten… Vielleicht kann er stundenlang den Schäfchen-Wolken hinterher schauen… Vielleicht hört er Brahms und malt Aquarelle… Und vielleicht könnten wir dicke Freunde sein. Doch wie zwei fremde Soldaten im Schützengraben stehen wir uns voller Hass gegenüber. Sein Beruf steht zwischen uns - wir werden uns nie kennen lernen.

PS: Falls GEZ-Menschen diesen Blogeintrag lesen: Es ist alles gelogen, erfunden und zusammengeflunkert. In Wirklichkeit habe ich acht Fernseher und zahle für jeden extra.
2.12.06 00:08


Mein Viertel kommt!

Inzwischen gilt es als In-Viertel und viele fetzige Menschen ziehen her. Früher war das anders – früher war das hier ein Arbeiterviertel. Da wohnten ganze Großfamilien zusammen in Ein-Zimmer-Wohnungen. Man arbeitete in Fabriken, man war Kommunist, heizte mit Kohlen, wärmte sich nachts an brennenden Tonnen und die Straßen waren dunkel und gefährlich. In Spielfilmen kommt dann immer Rauch aus den Gullys, aber das ist wohl überdramatisiert.

Wann genau sich ein Stadtviertel von einem Out- in ein In-Viertel wandelt, ist nicht ganz klar. Aber es gibt einige Indizien dafür: Wenn die Erdgeschossläden zu Büros umgebaut werden, wo Menschen mit stylischen Brillen an Glastischen sitzen, auf denen nichts außer einem Apple-Notebook steht. Wenn die Pinte zur Lounge wird und man statt Schmalzbrot nun Potatoe-Crisps mit Salbei-Mayonnaise bekommt. Wenn Galerien eröffnen, die aneinander geschweißte Wrackteile verkaufen und auch noch davon leben können.

Ich frage mich, wie viele Stadtviertel eigentlich noch zu In-Vierteln werden sollen. Geht nicht irgendwann der Vorrat an exzentrischen Individualisten aus? Werden die In-Viertel-Wohnungen vielleicht schon längst an nur mäßig spannende Halb-Exzentriker vermietet? Und gibt es eigentlich Stadtviertel, die wieder uncool werden und abwracken? Wo sich Speisekarten auf Erbsensuppenbasis und Ein-Euro-Schmuckläden ihren Platz zurückholen?

Einen Moment gibt es übrigens, wo die In-Viertel-Väter sagen können, „wir haben es geschafft“: Wenn nämlich ein Laden aufmacht, wo man zur Bio-Currywurst Riesling aus der Pfalz serviert.
8.12.06 14:30





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