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Zu meinen Lieblings-Smalltalk-Stories

gehört es zu behaupten, dass ich nur über einen Wortschatz mit 500 Wörtern verfüge und trotzdem später mal mein Geld mit schreiben verdienen will. Manchmal kann ich mit dieser Geschichte auch wirklich ein passables Party-Gespräch auslösen.

Tatsächlich kenne ich nicht wirklich viele Fremdwörter. Meine Freunde kennen Begriffe wie Anosmie, Hendiadyoin, Vasektomie oder Ficedula, ich kenne sie nicht, bzw. müsste sie nachschlagen. Oft benutze ich auch ein einziges Wort für völlig unterschiedliche Begebenheiten. Alte Sachen nenne ich zum Beispiel immer ranzig, obwohl eigentlich ja nur alte Butter ranzig ist. Alter Kohlrabi müsste holzig genannt werden, alte Handtücher spakig, und alte Frauen rüstig. Ich nenne alles ranzig, und meistens wissen die Leute ja auch, was gemeint ist.

Natürlich ist die Geschichte mit dem 500-Wörter-Wortschatz Blödsinn. Sie kommt übrigens von meinem alten Englischlehrer. Wenn wieder mal keiner Vokabeln gelernt hatte, teilte er uns brüllend und fuchtelnd mit, dass wir mit unserem 500-Wörter-Wortschatz bestimmt nicht in die Oberstufe kämen und überhaupt, was wir uns denn dächten. Aber wie soll man das messen, wie viele Wörter jemand kennt? Sagt man: „Schreiben Sie alle Wörter auf, die Sie kennen!“ Aber wie wertet man dann aus? Gibt es einen Zusatzpunkt, wenn man auch „penis envy“ kennt und nicht nur „penis“ und „envy“ einzeln? Nein, so was kann man nicht messen.

Der Mensch ist ja auch keine Speicherkarte. Obwohl es lustig wäre, wenn dann eine Fehlermeldung käme: „Sie haben sich bereits 500 Englisch-Vokabeln gemerkt, bitte kaufen Sie sich ein externes Hirn.“ Oder noch besser - intelligente Fehlermeldungen: „Wenn Sie sich unbedingt ‚to appreciate – würdigen’ merken wollen, könnten Sie ja ‚celery – Staudensellerie’ löschen.”


Hier noch die Auflösung unseres Rätsels von letzter Woche:

Anosmie – wenn man nicht mehr riechen kann
Hendiadyoin – wenn zwei Wörter zusammen einen neuen Sinn ergeben
Vasektomie – wenn ein Mann sterilisiert wird
Ficedula – lateinisch für Höhlenschnäpper (großer Bruder des Zwergschnäppers)
3.8.06 14:20


Stil-Leben

> Ein Journalist der seinen Berufsethos brav
> gelernt hat, würde mich jetzt wohl zu belehren
> versuchen, dass der Drang nach Selbstdarstellung
> nicht zu den Persönlichkeitsmerkmalen eines
> wahren Journalisten gehören könne.

Ganz im Gegenteil. Wie alle Menschen sind auch Journalisten Selbstdarsteller. Nur haben sie leider das Problem, dass sie sich eigentlich gar nicht selbst darstellen können in ihrem Beruf. Sie müssen andere und anderes darstellen, die eigene Person muss im Hintergrund bleiben. Deshalb fühlen sie sich ständig zu wenig beachtet, zu wenig wertgeschätzt, zu wenig geliebt – chronisch unterlegen. Und wahrscheinlich ist es das, was sie manchmal überkritisch, unfair, rachsüchtig und unausstehlich werden lässt.

Natürlich gibt es sie, die großen Journalisten-Ikonen, die jeder kennt, die ins Fernsehen dürfen, die zu allem etwas sagen und schreiben dürfen. Und die unverwechselbar sind. Doch sie sind die Ausnahme - auf einen Starjournalist kommen Legionen von unbekannten dpa-Meldungs-Kürzern, Blattmachern, Provinz-Pinslern und Zeilengeld-Tagelöhnern, die täglich elf Stunden in stickigen Redaktionen ihren Dienst tun, die keiner kennt, und die leider auch überhaupt nicht unverwechselbar sind. Viele haben resigniert, aber viele wollen da einfach raus: auch ins Fernsehen kommen, auch Ikone werden, endlich Geld verdienen. Und sie wollen das, was viele wollen: Etwas bleibendes schaffen, was nicht morgen schon vergessen ist. Also versuchen sie, etwas besonderes zu werden, nie dagewesene Themen auszugraben, den Lesern andere Sichtweisen zu ermöglichen, ungewohnt..., spannend!, NEU!! Und dabei hilft ihnen ein eigener Stil, schließlich soll man sie ja wiedererkennen, schließlich wollen und müssen sie sich ja abheben von dem restlichen grauen Matsch. Und wenn sie gut sind, haben sie einen guten Stil, der so gut ist, dass ihn vielleicht viele zu kopieren versuchen, es aber niemand wirklich schafft.

Das ist halt so. Wenn die Suche nach dem eigenen Stil krampfhaft wird, ist das nicht gut. Ansonsten würde ich das jetzt gar nicht beurteilen wollen, denn es ist doch eigentlich zutiefst menschlich.
9.8.06 17:35


Wohnungssuche

Zwei Zimmer, etwa gleichgroß, dazu ein Wohnzimmer oder zumindest eine große Küche, zentrale Lage, hohe Decken, max. 600 warm. Mehr wollten wir doch gar nicht. Ist denn das zuviel verlangt?

In der ersten Wohnung hatten vorher zwei BWL-Studenten gewohnt, da wollten wir nicht rein. Die Zweite war cool - mit Blick auf den Park, Riesenküche und nur zwei Minuten bis zum Hörsaal. Bei der dritten Wohnung war der Vermieter ein Arsch. „Leider ist der Vermieter ein Arsch“, erzählte der Vormieter, der uns die Wohnung zeigte, „aber dafür würde ich euch meinen Herd mit Teflon-Kochfeld drin lassen.“ Wir meldeten uns bei Vermieter Nummer 2, um unsere Bewerbung zu Protokoll zu geben. „Alles klar“, sagte er, „ist notiert.“ Man würde sich melden. Wir waren beruhigt - klang doch viel versprechend! Am Abend waren wir unruhig, man hatte sich noch nicht gemeldet. „Ihr müsst hartnäckig sein, wenn ihr die Bude wirklich haben wollt“, rieten uns Freunde. Wir riefen wieder an, um nach der Heizung zu fragen. Und wie es denn aussehe mit Zusage und so. „Öl, zentral“, sagte der Vermieter. Jetzt sei er allerdings gerade unterwegs, würde sich aber melden. „Wenn ihr die Wohnung wirklich haben wollt, müsst ihr den so richtig nerven“, meinten unsere Freunde. Wir riefen wieder an. „Hören sie“, sagte der Mann, „hören sie endlich auf zu nerven und warten sie paar Tage.“ Das sei normal, meinten die Freunde, Vermieter ließen sich immer Zeit, das sei auch ihre Erfahrung gewesen. Besser nicht zu oft anrufen! Der Vormieter aus Wohnung 3 rief an, was denn jetzt wäre. Keine Ahnung, sagten wir wahrheitsgemäß, der Arsch hätte uns abgeschreckt. „Steht denn das Angebot mit dem Titan-Kochfeld noch?“, fragten wir. Aber reicht ein einziger Herd aus, um einen Arsch-Vermieter zu neutralisieren? Wir besichtigten Wohnung 4. Sie hatte kein Wohnzimmer und die Küche im Flur. „Wunderbar“, sagten wir, „wann können wir einziehen?“ So schnell ginge das nicht, meinte die Vermieterin, wir müssten uns natürlich erst bewerben. „Klar“, meinten wir wissend, das sei ja schließlich immer so. Unsere Freunde nickten – so waren auch ihre Erfahrungen. Frank, der Vormieter aus Wohnung 3, meldete sich. Das Cellophan-Feld hatte er inzwischen samt Herd bei eBay verkauft. „Aber vielleicht habt ihr ja Bock auf Konzert heute abend?“, fragte er. Wir soffen und tanzten. Am nächsten Mittag riefen wir Vermieterin 4 an, um unser Verlangen nach ihrer Wohnung kundzutun. „Da hätten Sie aber eher anrufen müssen“, sagte sie tadelnd, und ob wir denn glaubten, sie würde wirklich so lange mit ihrer Entscheidung warten? „Ihr hättet natürlich sofort hartnäckig dranbleiben müssen, ihr Dummköpfe“, tadelten uns die Freunde kopfschüttelnd. Anders bekäme man keine Wohnung, so sei jedenfalls ihre Erfahrung gewesen.

Seitdem ist eine Woche vergangen. Inzwischen wohnen wir bei Franks Eltern. Die haben eine schön ausgebaute Dachgeschosswohnung, mit Titan-Feld-Herd, rustikaler Essecke und genug Platz für drei.
15.8.06 18:56





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