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Zufrieden

Letztens hatte ich eine so genannte Panikattacke. Ich hatte innerhalb einer Nacht eine 24-seitige Zeitung layouten wollen - was anscheinend etwas zu viel für mich war. Bei der Arbeit spürte ich plötzlich meinen Herzschlag im Hals pochen. Mein Hals explodiert, dachte ich. Ich bekam Angst. Dann fielen meine Ohren zu, mein Arm wurde taub. Es war drei Uhr nachts. Ich bekam richtig Angst. Ich rief den Notarzt. Der kam und maß meinen Blutdruck.
„180 zu 120“, sagte der Arzt, „das ist zu hoch.“
„Hilfe, Herr Doktor“, sagte ich hysterisch, „ich kriege bestimmt gleich einen Herzinfarkt. Tun Sie bitte was!!“
„Sind Sie in Panik?“, fragte der Arzt.
„Natürlich bin ich in Panik, ich bekomme ja gleich einen Herzinfarkt und falle tot um, mein Blutdruck ist bei…“
„Ja, 180 zu 120. Hören Sie, Sie haben anscheinend eine Panikattacke. Weil Sie Angst haben, einen Herzinfarkt zu bekommen, geraten Sie in Panik und Ihr Blutdruck steigt.“
„Aber mit 180 zu 120 kann man doch schon einen Infarkt bekommen, oder nicht?“
„Ja, aber Ihr Blutdruck ist nur deshalb so hoch, weil Sie glauben, dass Sie einen Herzinfarkt bekommen. Sie werden aber keinen bekommen, also hören Sie auf zu glauben, dass Sie einen bekommen.“
„Aber Sie haben doch gesagt, dass 180 zu 120 für einen Infarkt reicht. Warum soll ich dann glauben, dass mein Blutdruck noch nicht reicht für einen Infarkt?“
„Glauben Sie es einfach, Sie bekommen keinen Infarkt!“
„Ich soll mir also etwas vorlügen?“
„Hören Sie, Schluss jetzt, ich gebe Ihnen wohl am besten eine Beruhigungsspritze.“
„Die senkt dann meinen Blutdruck?“
„Nein, die entspannt Sie, und Sie glauben nicht mehr, dass Sie einen Infarkt bekommen. Das senkt dann Ihren Blutdruck.“
„Können Sie nicht erst meinen Blutdruck senken?“, begann ich. Da rammte mir der Arzt eine Spritze in den Schinken. Es kribbelte etwas. Mir wurde etwas schummerig, aber ich war zufrieden. Sehr zufrieden. „Hören Sie, Doktor, ich glaube, ich bekomme gar keinen Infarkt“, sagte ich zufrieden.
Der Arzt seufzte zufrieden, steckte seine Spritze weg und ging. Zufrieden winkte ich ihm nach.
15.4.06 18:08


Leider

bin ich ein sehr schüchterner Mensch. Im Café hab ich schon manchmal die Zeche geprellt, weil ich mich nicht getraut habe, den Kellner um die Rechnung zu bitten. „Geh doch mal zum Psychologen“, meinte ein Freund von mir. „Tue ich doch schon längst“, antwortete ich, „aber ich glaube nicht, dass ihn diese Geschichte interessieren würde.“
15.4.06 18:09


Schwimmen 2 / Sommersemester

Heute war ich mal wieder schwimmen. Weil das Becken aber voll war mit wassergymnastik-gestählten Rentnerkörpern, blieb mir leider nur die Außenbahn, an deren Ende so eine Massagedüse steht. Wenn man auf sie zu schwimmt, spürt man deutlich die Gegenströmung, die der stramme Strahl auslöst – hier zu schwimmen ist also deutlich anstrengender. Allerdings schiebt die Strömung ja auch beim Zurückschwimmen. Die Frage ist, ob der Mehraufwand auf dem Hinweg die Kraftersparnis auf dem Rückweg ausgleicht - der Schluss läge zumindest nahe. Wenn man allerdings von einem Euro zehn Prozent abzieht und dann zehn Prozent wieder draufrechnet, bekommt man ja auch nur 99 Cent raus. Hmm, schwierig, wahrscheinlich streiten sich auch die Gelehrten über diese Frage beziehungsweise scheiden sich hier die Geister.
Ich gehe schwimmen, um mich zu entspannen, müsste also eigentlich gemütlich hin und her schwimmen ohne auf Strecke und Zeit zu achten. Das kann ich aber nicht. Ich muss immer alles akribisch zählen und genau Buch führen. Beim Schäfchenzählen im Bett zum Beispiel kann ich aus Angst, ich könnte vielleicht ein Schaf übersehen oder doppelt zählen, nie einschlafen. Für 600 Meter habe ich heute 27 Minuten gebraucht. In der sechsten Klasse war ich schneller, da schaffte ich eine Bahn pro Minute, wäre also in 24 Minuten fertig gewesen. Würde ich für eine Sportsendung interviewt, würde ich allerdings sagen: „Ich habe meine persönliche Bestzeit noch nicht erreicht“ statt „in der sechsten Klasse war ich besser“ – das klingt einfach abgeklärter, so als wäre ich ein hart trainierendes Muskelpaket mit Titelchancen.
15.4.06 18:14


Journalistenkrankheit

Letztens wurde mir vorgeworfen, wir Journalisten hätten die blöde Angewohnheit, immerzu ungefragt irgendwelche unbrauchbaren Informationen unter die Leute bringen zu wollen. Dabei hatte ich nur darauf hingewiesen, dass über 55 Prozent der Isländer auch heute noch an Elfen glauben (und es dort sogar einen Elfenbeauftragten gibt, der die Wohnsitze und Wege der Elfen in einer "Landkarte der verborgenen Welt" einzeichnet). Immer müssten wir mit unserem Fakten-Wissen prahlen, hieß es. Nur weil ich erzählt hatte, dass der Buchstabe E in der deutschen Sprache mit 17 Prozent der am meisten benutzte Buchstabe ist (vor N, I, S und R). Sowas würde niemanden interessieren, ich solle mich bloß nicht so aufblasen mit meinen mühsam auswendig gelernten Sinnlos-News. Und das sagt mir jemand, der nicht mal weiß, dass die Geo-Wissenschaft seit 40 Jahren davon ausgeht, dass das weltweit verfügbare Öl nur noch für die folgenden 40 Jahre reicht (weil noch immer neue Ölfelder gefunden werden beziehungsweise aus immer minderwertigeren Ölsanden und Ölschiefern Benzin gewonnen werden kann). Die Welt sei bisher auch wunderbar ohne meine Detail-Belehrung ausgekommen, maulte man mich an. Auch jeder von euch wird 2040 mit seinem Einkommen jeweils 0,859 Rentner und 0,321 Jugendliche durchfüttern müssen, erwiderte ich den Ungläubigen gütig (im Gegensatz zu 0,428 beziehungsweise 0,381 heute).
15.4.06 19:39





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