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Dialektik und Staubmilbe

Gestern habe ich meine Wohnung geputzt und aufger?umt. Das geh?rt eindeutig zu den weniger angenehmen Dingen des Studentenlebens. Wochenlang hatte ich mich mental darauf vorbereitet. Ich hatte den Tag rot angestrichen im Kalender, damit ich ihn auf keinen Fall vergesse. Das stimmt jetzt nicht ganz, denn ich besitze gar keinen Kalender, aber das ganze war auch mehr als Metapher gemeint.

Auch hatte ich diesen Tag vehement von jedem ablenkenden Termin freigehalten. Das klingt jetzt hoffentlich so, als w?re es schwierig f?r mich, einen Tag von Terminen freizuhalten, was nicht stimmt. Aber man m?chte ja seine Leser glauben machen, man sei ein gefragter Mensch.

Der Tag kam also und ich putzte. Ich putzte ?berall. Dabei hatte ich mir ein ausgefeiltes Putzsystem zurechtgelegt. Erst wollte ich alles abstauben und hinterher den Boden wischen, damit der runtergefallene Staub gleich mit aufgewischt werden konnte.

Abstauben war bitter n?tig, denn meine Bude war ?berall voll mit Staub, wie ich erschreckt feststellte. Sogar auf der Gardinenstange, hinter den B?chern im Regel, zwischen den Herdplatten und auf der Nippelleiste, an der man die Geschirrhandt?cher aufh?ngt, war Staub. Ich frage mich, ob auch erfahrene Hausfrauen regelm??ig die Geschirrhandtuch-Nippelleiste abstauben. Wahrscheinlich ist es so, denke ich mir, dass die Nippelleiste gar nicht zustauben w?rde, wenn ich nur ?berhaupt ?fter staubwischen w?rde. Denn warum sollte sich der Staub auf der Nippelleiste niederlegen, wenn er doch auch bequem auf der Fensterbank oder auf dem Schreibtisch liegen kann. Ich glaube, dass der Staub gar nicht einmal so dumm ist. Er weicht erst auf Nippelleisten aus, wenn?s ihm an den anderen Orten zu voll wird. Wie der Mensch. Der ist bestimmt auch erst nach Menorca geflogen als Mallorca voll war.

Eine andere Frage, die ich mir stellte, war die, ob man die Entwicklung der Gesamtstaubbelastung einer Wohnung nach dem Gro?putz in einer mathematischen Regel zusammenfassen kann. Kommt jeden Tag die gleiche Masse oder das gleiche Volumen (oder wie man Staub eben misst) Staub dazu? Dann w?re es eine lineare Funktion. Oder ist es eher etwas Exponentielles? Daf?r spr?che, dass Staub ja von Milben gemacht wird und Milben sich wahrscheinlich munter fortpflanzen, wenn sie nicht von b?sen Lappen get?tet werden. Eine munter florierende Milbenpopulation quadriert ihren Gesamtbestand sicher regelm??ig.

Oder folgt der t?gliche Zuwachs eher einer antiproportionalen Funktion? Dann w?rde am ersten Tag nach dem Putzen erstmal ganz viel neuer Staub entstehen und dann von Tag zu Tag immer weniger. Ich habe einmal eine Wohnung gesehen, die 23 Jahre lang nicht mehr geputzt worden war. Die Staubdecke darin war gewaltig, aber gewiss nicht exponentiell gewachsen. Denn dann h?tte der Raum mindestens zur H?lfte mit Staub gef?llt gewesen sein. Hmm, dieses Erlebnis spricht eher f?r eine antiproportionale Menorca-Theorie.

Vielleicht sind aber auch noch andere Faktoren entscheidend, so dass eine mehrdimensionale Vektorenfunktion n?tig ist. So habe ich beobachtet, dass die Wohnungen von Freunden von mir, die wirklich nie an putzen denken, weitaus weniger zugestaubt sind, als die von mir, der ich immerhin gelegentlich ans Putzen denke und noch gelegentlicher tats?chlich putze. Ist die Staubzunahme also abh?ngig von der Ausgepr?gtheit des schlechten Gewissens des Wohnungsbewohners? Hunde merken, wenn man verreisen will, warum sollen Milben nicht merken, wenn einen das Gewissen qu?lt? Muss man also Milben unmoralisches Verhalten vorwerfen? Ich glaube nein, denn Milben w?ren ja sch?n bl?d, sich gerade bei durchaus putzbewussten Menschen st?rker zu vermehren, denn putzbewusste Menschen putzen ja zumindest gelegentlich und putzen besonders dann, wenn die Staubdichte gr??er wird. Und wer putzt, reduziert die Milbenpopulation ? und das drastisch! Jetzt kann nat?rlich auch die gr??ere Fortpflanzungsaktivit?t der Milben eine Art Rache f?r den putzbewussten Menschen sein, weil er eben so oft putzt. Diktatoren loben ja auch Familien mit vielen Kindern, weil dadurch mehr Soldatennachschub f?r den Krieg da ist. Vielleicht sind ja die Milbenanf?hrer ?hnlich grausam und setzen ihren Nachwuchs als Waffe ein. Dann allerdings k?nnte man den Milben ? zumindest ihren Anf?hrern ? wieder mangelnde Moral vorhalten.

Wie auch immer. Immerhin habe ich dialektisch bewiesen, dass es Milben mit der Moral nicht so ernst nehmen. Und das, ohne viel ?ber ihre Psyche und Soziologie zu wissen.

Jedenfalls kam ich gestern nicht mehr dazu, noch den Boden zu wischen. Das Abstauben hatte mich zu sehr geschafft ? geistig.
9.7.05 19:56


Luigi und die Diddl-Maus

Meine Mutter und ich haben einen Lieblingsitaliener, wo wir immer essen gehen. Jedenfalls immer dann, wenn wir nicht genug essbares mehr zu hause haben oder nach Familientreffen mal wieder ungest?rt l?stern wollen. Wir waren ?berzeugt, dass unser Italiener wie die meisten Pizzab?cker Luigi oder Alfredo hei?en w?rde, bis uns auffiel, dass er gar nicht Italiener, sondern Pole ist. Jedenfalls unterh?lt er sich mit seiner Frau, die in der K?che steht, immer auf Polnisch, ganz laut und ganz schnell. Meistens keifen sie sich an, obwohl wir das nat?rlich nicht so genau wissen, denn wir verstehen kein Polnisch. Trotzdem wird es wohl nichts nettes sein. Meistens fuchteln sie dabei ganz wild in der Luft rum. Und manchmal deuten sie Gesten an, die man gemeinhin mit dem g?ngigen Strafvollzug w?hrend der franz?sischen Revolution verbindet.

Dass Luigi und seine Frau gar keine Italiener sind, sorgte einmal f?r einige Verwirrung, als einer von Mutters strebsamen Kollegen mal beim Pizzabestellen mit seinem Wissen aus einem Semester Italienisch an der Volkshochschule prahlen wollte. Luigi verstand kein Wort, l?chelte aber freundlich und belegte seine Pizza einfach mit Roter Bete.

Leider hat Luigi meistens nicht wirklich viele G?ste, was meiner Mutter bald auffiel. Seitdem seufzt sie immer mitleidig, wenn wir Luigis Restaurant betreten. Sie rechnet t?glich damit, dass Luigi sein Lokal f?r immer dicht macht, seine Frau und den Hausrat oben auf seinen Fiat Panda bindet und ?ber den Brenner zur?ck nach Sizilien f?hrt. Meine Mutter geh?rt zwar eigentlich zum Volk der Konsumkritiker, die es grunds?tzlich ablehnen, irgendwas k?uflich zu erwerben, solange auf dieser Welt noch Menschen darben. Anderseits verbringt sie auch einen betr?chtlichen Teil ihrer Zeit damit, Mitleid mit irgendwelchen Einzelh?ndlern zu haben, die ihr Gesch?ft nicht halten konnten. Da ist sie bodenst?ndig. Ich bin relativ emotionslos, wenn ein Diddl-Maus-Shop oder ein Handyschalengesch?ft oder ein esoterischer Teeladen dicht machen m?ssen. Meine Mutter dagegen ist dann den Tr?nen nahe und sagt schlaue S?tze wie ?Die Einkaufszentren machen die Innenst?dte kaputt!?

Jedenfalls kann ich bei Luigi schon lange nicht mehr entspannt meine 37 mit ohne Erbsen essen, weil meine Mutter immerzu seufzt und traurig Luigis Frau zul?chelt. Mutter schreibt ?Kopf hoch!? auf Servietten und legt sie auf den abgegessenen Teller oder sie bestellt besonders teure Gerichte mit Austernpilzen. Und letztens hat sie Luigi sogar eine Diddl-Postkarte geschenkt.
10.7.05 14:59


Wie ein Amboss im Urin

In unserem Bildungsinstitut gibt es ein neues Schild auf dem M?nner-Klo. Es h?ngt direkt ?ber den Urinalen. ?Die Putzmannschaft hat sich beschwert. Auch hier gilt: Bitte abziehen!? steht drauf. Je nach Stimmungslage bin ich wegen des Schildes deprimiert oder entr?stet. Hier werden unschuldige M?nner, die immer brav abziehen, in kollektive Sippenhaft genommen, denke ich entr?stet, wenn ich entr?stet bin. Man muss mehr differenzieren, fordere ich dann mit Nachdruck, zornbebender Stimme und erhobenem Zeigefinger. ?An die M?nner, die hier immer nicht abziehen: Bitte abziehen!?, k?nnte zum Beispiel stattdessen drauf stehen. Nat?rlich w?re ?immer nicht? kein ganz korrekter Ausdruck, aber sich ?ber die grammatischen F?higkeiten der Putzmannschaft aufzuregen, w?rde doch sehr elit?r wirken. Jedenfalls verwahre ich mich jeder Anschuldigung, ich w?rde nicht abziehen. Ich ziehe immer ab! Wassersparen finde ich ja ganz wichtig, aber nicht auf dem Klo! Ich will das doch nicht l?nger als n?tig ansehen m?ssen, was ich da fabriziert habe. ?Aus den Augen, aus dem Sinn?, hinfort!, und zwar schnell!

?Sie verdr?ngen hier etwas?, w?rde mein Psychologe jetzt sagen, wenn ich einen h?tte. ?Etwas, was ganz nat?rlich ist. Exkremente geh?ren zum Leben dazu, das werden auch Sie realisieren m?ssen!? Gut, dass ich keinen Psychologen habe. ?Ich finde, du brauchst dringend einen Psychologen?, sagt Erwin immer, wenn er meine Texte liest. Aber das geh?rt nicht hierher.

Manchmal reagiere ich aber wie gesagt auch sehr deprimiert auf solche Schilder. Oft denke ich dann an die Schlechtigkeit der M?nner und leide darunter. Und wir M?nner, die wir schon an einfachsten Aufgaben wie Abziehen scheitern, lenken immer noch gr??tenteils die Geschicke dieses Planeten. Wir sollten uns in Erdh?hlen verkriechen und weinen! Und wenn ich dann so am Urinal stehe und leide, dann kann ich nicht pinkeln. Vor meinem inneren Auge erscheint dann Alice Schwarzer, die durch meinen K?rper h?pft und fr?hlich grinsend einen Amboss auf meinen Harnleiter stellt. Wenn das passiert, sp?le ich hinterher trotzdem ab, das ist dann meine kleine Rache.
10.7.05 15:02


Warum

f?hrt eigentlich nie jemand mit einem Holland-Fahrrad bei der Tour de France mit? Wahrscheinlich weil er nicht gewinnen w?rde. Aber wenn es mal einer macht wird er meine volle Hochachtung haben!
10.7.05 17:15


Richtig unkonventionell

w?re es doch, Laminat einmal an die Wand zu kleben und Rauhfaser auf den Boden!
10.7.05 17:16


Letztens

stand eine Frau in der U-Bahn am Fahrkartenautomat und sagte zu mir: "Dieser Automat frisst wirklich einen Groschen nach dem n?chsten." Dieser Satz macht nur Sinn, wenn der Automat wirklich Groschen annimmt, aber nicht z?hlt. Ansonsten w?re der Satz gro?er Bl?dsinn. Au?erdem: Gibt es ?berhaupt noch Groschen im Euro-Zeitalter?
10.7.05 17:18


Gestern

hat Guido Knopp, der King des Histotainments, im ZDF behauptet, dass er als Student ein Ch?-Guevara-Poster in seiner Bude h?ngen hatte. Das glaube ich ihm nicht. Echt nicht.
11.7.05 11:33


Heute

morgen habe ich versehentlich ein anderes Fahrrad mit an meins drangekettet. Warum, wei? ich nicht. Wahrscheinlich befand ich mich in einem Zustand fortgeschrittener geistiger Umnachtung, denn auch sonst habe ich wenige Erinnerungen an heute Morgen. Ich werde alt. Alt und senil.
Als ich abends zu meinem Fahrrad zur?ckkam, klebte ein Post-It-Aufkleber dran mit der Aufschrift: ?Fahrrad bis sp?testens (!!) 13 Uhr losschlie?en!!?. Ich sah auf die Uhr. Es war kurz vor acht. ?Der muss sich ge?rgert haben?, dachte ich schelmisch und fuhr davon.
11.7.05 23:05


Die Top 5

der Zigarettenschachtel-Warnspr?che, die es ganz knapp nicht in die engere Auswahl der EU-Gesundheitsminister geschafft haben:

1.) Rauchen kann eventuell manchmal t?dlich enden!
2.) Rauchen f?hrt zu Nasenkrampf!
3.) Beim Rauchen f?hren Sie sich und Ihrem Chef schweren Schaden zu!
4.) Rauchen ist zwar cool, stinkt aber ziemlich!*
4.) Dem Marlboro-Cowboy ist es auch nicht gut bekommen!*

* beide auf Platz 4 der Warteliste
15.7.05 11:09





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