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Die Satire-Seite!
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Schwimmen 2 / Sommersemester
Heute war ich mal wieder schwimmen. Weil das Becken aber voll war mit wassergymnastik-gestählten Rentnerkörpern, blieb mir leider nur die Außenbahn, an deren Ende so eine Massagedüse steht. Wenn man auf sie zu schwimmt, spürt man deutlich die Gegenströmung, die der stramme Strahl auslöst – hier zu schwimmen ist also deutlich anstrengender. Allerdings schiebt die Strömung ja auch beim Zurückschwimmen. Die Frage ist, ob der Mehraufwand auf dem Hinweg die Kraftersparnis auf dem Rückweg ausgleicht - der Schluss läge zumindest nahe. Wenn man allerdings von einem Euro zehn Prozent abzieht und dann zehn Prozent wieder draufrechnet, bekommt man ja auch nur 99 Cent raus. Hmm, schwierig, wahrscheinlich streiten sich auch die Gelehrten über diese Frage beziehungsweise scheiden sich hier die Geister. Ich gehe schwimmen, um mich zu entspannen, müsste also eigentlich gemütlich hin und her schwimmen ohne auf Strecke und Zeit zu achten. Das kann ich aber nicht. Ich muss immer alles akribisch zählen und genau Buch führen. Beim Schäfchenzählen im Bett zum Beispiel kann ich aus Angst, ich könnte vielleicht ein Schaf übersehen oder doppelt zählen, nie einschlafen. Für 600 Meter habe ich heute 27 Minuten gebraucht. In der sechsten Klasse war ich schneller, da schaffte ich eine Bahn pro Minute, wäre also in 24 Minuten fertig gewesen. Würde ich für eine Sportsendung interviewt, würde ich allerdings sagen: „Ich habe meine persönliche Bestzeit noch nicht erreicht“ statt „in der sechsten Klasse war ich besser“ – das klingt einfach abgeklärter, so als wäre ich ein hart trainierendes Muskelpaket mit Titelchancen.
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Leider
bin ich ein sehr schüchterner Mensch. Im Café hab ich schon manchmal die Zeche geprellt, weil ich mich nicht getraut habe, den Kellner um die Rechnung zu bitten. „Geh doch mal zum Psychologen“, meinte ein Freund von mir. „Tue ich doch schon längst“, antwortete ich, „aber ich glaube nicht, dass ihn diese Geschichte interessieren würde.“
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Zufrieden
Letztens hatte ich eine so genannte Panikattacke. Ich hatte innerhalb einer Nacht eine 24-seitige Zeitung layouten wollen - was anscheinend etwas zu viel für mich war. Bei der Arbeit spürte ich plötzlich meinen Herzschlag im Hals pochen. Mein Hals explodiert, dachte ich. Ich bekam Angst. Dann fielen meine Ohren zu, mein Arm wurde taub. Es war drei Uhr nachts. Ich bekam richtig Angst. Ich rief den Notarzt. Der kam und maß meinen Blutdruck. „180 zu 120“, sagte der Arzt, „das ist zu hoch.“ „Hilfe, Herr Doktor“, sagte ich hysterisch, „ich kriege bestimmt gleich einen Herzinfarkt. Tun Sie bitte was!!“ „Sind Sie in Panik?“, fragte der Arzt. „Natürlich bin ich in Panik, ich bekomme ja gleich einen Herzinfarkt und falle tot um, mein Blutdruck ist bei…“ „Ja, 180 zu 120. Hören Sie, Sie haben anscheinend eine Panikattacke. Weil Sie Angst haben, einen Herzinfarkt zu bekommen, geraten Sie in Panik und Ihr Blutdruck steigt.“ „Aber mit 180 zu 120 kann man doch schon einen Infarkt bekommen, oder nicht?“ „Ja, aber Ihr Blutdruck ist nur deshalb so hoch, weil Sie glauben, dass Sie einen Herzinfarkt bekommen. Sie werden aber keinen bekommen, also hören Sie auf zu glauben, dass Sie einen bekommen.“ „Aber Sie haben doch gesagt, dass 180 zu 120 für einen Infarkt reicht. Warum soll ich dann glauben, dass mein Blutdruck noch nicht reicht für einen Infarkt?“ „Glauben Sie es einfach, Sie bekommen keinen Infarkt!“ „Ich soll mir also etwas vorlügen?“ „Hören Sie, Schluss jetzt, ich gebe Ihnen wohl am besten eine Beruhigungsspritze.“ „Die senkt dann meinen Blutdruck?“ „Nein, die entspannt Sie, und Sie glauben nicht mehr, dass Sie einen Infarkt bekommen. Das senkt dann Ihren Blutdruck.“ „Können Sie nicht erst meinen Blutdruck senken?“, begann ich. Da rammte mir der Arzt eine Spritze in den Schinken. Es kribbelte etwas. Mir wurde etwas schummerig, aber ich war zufrieden. Sehr zufrieden. „Hören Sie, Doktor, ich glaube, ich bekomme gar keinen Infarkt“, sagte ich zufrieden. Der Arzt seufzte zufrieden, steckte seine Spritze weg und ging. Zufrieden winkte ich ihm nach.
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Die Düsen im Spaßbad
Gestern war ich nach über zehn Jahren zum ersten Mal wieder in unserem örtlichen Spaßbad. Einmal zwei Stunden mit ohne Sauna, Student. Ja, selbstverständlich kann ich beweisen, dass ich Student bin. Klar, da könnte ja sonst jeder kommen, natürlich. Ich weiß, Sie machen auch nur Ihren Job.
Geändert hatte sich wenig in unserem Spaßbad. Für die Drehkreuze gibt es statt Magnetkarten mittlerweile in die Schrankschlüssel eingenähte Mikrochips. Man musste wohl mit der Zeit gehen. Aber ansonsten nichts Neues. Auch der Bademeister ist noch derselbe. Aber er scheint nicht mehr ganz derselbe zu sein: Früher stolzierte er pavianös am Sportbecken entlang und rief mit donnernder Stimme Unholde zur Ordnung. Seinem wachsamen Auge entging kein Verstoß gegen die Badeordnung, keine Bombe in den Whirlpool, kein Köpper vom Rand, kein Schwimmen bei Völlegefühl. Doch das viele Nacktrutscher-Ermahnen und Schwimmflossen-Verleihen scheint ihn zermürbt zu haben. Er geht gebückt und stiert ins Leere. Vielleicht ist er an dem Punkt, wo man sich fragt, ob das denn schon alles gewesen sein soll im Leben. Oder seine Frau ist ihm weg geschwommen, wer weiß.
In dem kleinen Außenbecken sah ich ein Schild mit einem durchgestrichenen Mobiltelefon. So ein Quatsch, dachte ich, wer sollte denn so blöd sein und sein Handy mit ins Außenbecken nehmen, das wird doch nass. Aber ich bin ja sehr kurzsichtig – als ich näher ran schwamm, war da gar kein Handy durchgestrichen, sondern eine Zigarette. Meiner Meinung nach ist das noch um einiges dümmer.
Eigentlich wollte ich nur ein paar Bahnen schwimmen, um endlich mal etwas für meine Kondition zu tun. Ich ging also ins Sportbecken - leider waren vier von fünf Bahnen durch einen Sportverein belegt. Durchtrainierte Kampfkrauler zogen da monoton ihre Bahnen, angepeitscht von einer unsympathischen Schrulle, die ständig Zwischenzeiten in die Gegend brüllte. Leider war die einzig freie Bahn die mittlere - aber zum Glück war die leer. Ich schwamm ein paar Mal hin und her, doch es war deprimierend – die Krauler schwammen mehr als doppelt so schnell wie ich. „Gut, im Gegensatz zu mir haben die sich die Brusthaare rasiert“, dachte ich zunächst noch. „Lernt man ja bei jeder Tour de France, dass mit Aerodynamik einige Sekunden rauszuholen sind.“ Aber bald wurde es mir zu blöd, als gebrochener Mann verließ ich das Becken.
Den Rest der Zeit stellte ich mich im Solebecken auf eine Fußmassagedüse. Dann kam ein Trupp Rentner und ich musste fliehen. Es lebe der Breitensport!
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Nippel-News
Heute Morgen wollte ich Badewasser einlaufen lassen. Als ich den Hahn anstellte, war leider dieser Dusch-Nippel noch oben, also auf Dusche gestellt, und so kam das Wasser aus dem Duschkopf und nicht aus dem Hahn. Ich wurde ganz nass. Natürlich habe ich keine Ahnung, ob dieses Ding wirklich Nippel heißt. Es könnte auch Dödel heißen, aber das klingt ja auch nicht weniger wie eine Genitalteil-Verniedlichung. Ich glaube, es heißt Nippel. Als nämlich mal der Klempner bei mir war, um die Spüle anzumontieren, hat er später in die Auftragsbestätigung „Becken mittels Nippel abwasserseitig angedrückt“ geschrieben.
Spüle anbauen kann ich nicht. Ansonsten bin ich ganz gut im Heimwerken. Das war nicht immer so. Meine Mama hatte früher immer Angst, dass ich mit meinen unbegabten Händen nie in der Lage sein würde, auch nur einen Nagel gerade rein zu hauen und daher bestimmt niemals ne Frau abkriegen würde. Also hat sie mich mal zu einem Dübel-Kurs angemeldet. Seitdem habe ich eine 800 Watt-Schlaghammerbohrmaschine und kann Ansatz-Spreizdübel von der Seite setzen. Ich bin so gut darin, dass ich selbst kleine Apothekenkalender immer mit einer Achter-Schraube an der Wand fest dübele. Meine weiblichen Mitmenschen hat das bisher wenig beeindruckt. Stattdessen darf ich meinen schwulen Bekannten jetzt immer ihre teuren Designer-Regale an die Wand dübeln. In der neuen Neon stand jetzt sogar, dass Frauen sich eigentlich überhaupt keine Männer wünschen, die heimwerken können, sondern solche, die zuhören und mitfühlen können. Toll, hatte meine Mama also vollkommen Unrecht. Aber vielleicht haben die Neon-Redakteure das nur in ihre Zeitschrift geschrieben, weil sie Angst haben, dass sie mit ihren unbegabten Händen nie in der Lage sein werden, auch nur einen Nagel gerade reinzuhauen und daher bestimmt nie ne Frau abkriegen. Also verbreiten sie über ihre Postille irgendwelche Heinwerker-feindliche Schmutz-Propaganda. Neid, purer Neid!
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Ossendorf-Ode
Heute Morgen ging ich in Ossendorf spazieren. Plötzlich, an einer Kreuzung, wurde ich von einer Straßenbahn nass gespritzt. „Hoppla“, dachte ich, „das ist aber mal was neues.“
Normalerweise wird man ja von Autos, die durch Pfützen schüsseln, nass gemacht. Dieses Mal war es die Straßenbahn, die durch die Wasserlache furchte wie ein Wasserski-Fahrer. Kein großes Ding, mag man jetzt sagen, ob Auto oder Straßenbahn ist doch völlig egal, nass ist nass. Trotzdem, ich bin immer überrascht, wenn Sachen passieren, die man eigentlich von anderen Menschen (oder Dingen) erwartet. Wenn zum Beispiel der Bo-Frost-Mann versucht, mir Wein zu verkaufen oder ich meine Weihnachtspakete in einer Änderungsschneiderei aufgeben muss, weil dort jetzt die Post-Filiale ist, dann bin ich doch verwundert. Dann zweifele ich daran, ob ich mit diesem ständigen Wandel, den meine Umgebung anscheinend durchläuft, überhaupt noch mithalten kann.
Aber ich kann gut verstehen, warum der Straßenbahnfahrer mich nass spritzen wollte. Seine Linie 5 fährt zum Knast. Außerdem ist Ossendorf wirklich scheußlich, ein architektonischer Griff in die Schüssel. Es überkommt einen sicherlich immer eine betäubende Melancholie, wenn man dahin fahren muss. Dann findet man geistige Befriedigung und Muße wohl höchstens noch am Leid anderer Menschen. Ich sage Jesus-mäßig: „Hey, Straßenbahnfahrer, ich verstehe dich. Ich reiche dir die Hand zur Versöhnung!“
Neben dem Knast in Ossendorf stehen ganz normale Wohnhäuser. Wenn die Menschen dort in ihren Gärten grillen, dann sehen sie immer auf diese Draht umwickelten Gefängnismauern. Aber diese Menschen haben Recht: es gibt sicherlich keine sicherere Wohngegend als die direkt neben dem Knast. Einbrecher sind bestimmt abergläubisch und meiden solche Gegenden. Fischer können ja auch selten schwimmen. Und die Gefoulten schießen Elfmeter ja auch nie selber. Und beim Schnick-Schnack-Schnuck nimmt man ja auch nie zweimal hintereinander „Schere“. Gut, die Beispiele hinken, aber ich glaube trotzdem an die Theorie mit der sichersten Wohngegend.
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Als ich gestern von der Uni nach hause ging,
kam mir ein fröhlich pfeifender Student auf seinem Fahrrad entgegen, er fuhr freihändig und nicht besonders schnell. Plötzlich bremste neben ihm ein Polizeiauto und eine scharfe Stimme schrie: „Hände an den Lenker!“ Der arme Student erschreckte sich so dermaßen, dass er strauchelte und gegen den Zaun eines katholischen Kindergartens knallte. Hätten die blöden Polizisten ihn doch in Ruhe gelassen, dann wäre das alles nicht passiert!
Schon immer war ich mir sicher, dass Polizisten oftmals mehr Schaden anrichten als sie verhindern. Nein, ich kann nicht sagen, dass ich ein gutes Verhältnis zur Polizei habe. Andere fühlen sich sicher, wenn ein Wachtmeister anwesend ich, mich überkommt dann immer ein mulmiges Gefühl. Ich habe eben schlechte Erfahrungen mit der Polizei.
Als wir 10 Jahre alt und neu auf dem Gymnasium waren, schlenderten Lorenz und ich einmal, an einem wunderbar warmen Frühlingstag, fröhlich von der Schule nach hause. Wir freuten uns am Wetter und an den Eichhörnchen, die auf der Straße herumtollten, dazu aßen wir Eis mit zwei Kugeln Stratziatella. Da kam uns ein Schutzmann auf seinem Fahrrad entgegen. Lorenz lüftete seine Mütze und sagte freundlich „Hallo, Herr Bulle.“ Der Schutzmann, der fürchterlich schwitzte, sprang sofort vom Rad und auf Lorenz zu. „Hast du mich gerade Bulle genannt?“, fragte er. „Ja“, antwortete Lorenz wahrheitsgemäß. „Aha. Wie heißt du?“, fragte der Polizist grimmig und zückte sein Notizbuch. „Lorenz“, sagte Lorenz. – „Und mit Vornamen?“ – „Lorenz“, sagte Lorenz. „Also Lorenz Lorenz?“ – „Nein, das ist nicht korrekt“, meinte Lorenz nachdenklich. Da zog der Polizist Lorenz am Ohr und fragte, ob er ihn für dumm verkaufen wolle.
Mit 15 wurden Andy und ich von zwei Gesetzeshütern verhaftet, weil wir nachts, zu zweit, betrunken, ohne Helm und mit einem Döner in der Hand auf Andys Mofa in der Stadt herumgefahren waren und Krach gemacht hatten. Außerdem hatte Andy das Nummernschild von Dennis’ Mofa an seine geschraubt, um die Versicherung zu sparen. Die Polizisten leuchteten uns mit ihren Taschenlampen ins Gesicht und sagten andauernd „das ist bitter, ganz bitter.“ Andy musste pusten und merkte schnell, dass er besser nicht gesagt hätte, dass er gar nichts getrunken hätte. Glücklicherweise waren die Polizisten einigermaßen gnädig und zeigten Andy lediglich wegen Versicherungsbetrug an. Dass wir betrunken, ohne Helm, zu zweit und mit Döner rumgeheizt waren, ließen sie weg.
Bei einer Anti-Castor-Demo in Ahaus hatte ich mich mal auf die Stoßstange eines Polizei-Bullis gestellt, um einen besseren Überblick zu haben. „Kein Castor in Sicht“, meldete ich meinen Freunden, die ich hinter mir wähnte. „Schön“, sagte eine tiefe Bullenstimme, „und jetzt komm runter da, du Strolch.“ Ich hatte ihn irgendwie nicht kommen sehen. Er ließ mich laufen, ich musste nur die Stoßstange abwischen, die ich mit meinen Gummistiefeln schmutzig gemacht hatte.
Einmal bekam ich sogar einen Platzverweis. Bei einer Anti-Nazi-Demo in Köln-Kalk waren wir nichts ahnend dem Demonstrationszug gefolgt, dessen Anführer allerdings nicht – wie mit der Polizei abgesprochen – von den Nazis weg, sondern auf die Nazis zu marschierten. Die Polizei kesselte uns in einer Seitenstraße ein und wir verpassten die Bundesliga. Stundenlang mussten wir im Regen stehen und frieren. „Scheiß Bullen, wir haben Durst“, schrie ein freundlicher Punk. „Wir sind keine Unmenschen“, sprachen die Polizisten durchs Megafon und reichten uns ein paar Kisten Wasser rüber. Ich glaube aber, der Punk hatte was anderes gemeint. Nach drei Stunden im Kessel kam ich endlich frei, vorher wurden allerdings meine Personalien aufgenommen und ich penibel abgetastet. „Herr Stanislawski, hiermit erteile ich Ihnen einen Platzverweis für Köln-Kalk“, sagte man mir zum Schluss. Ob die Polizisten wohl „Voll Normal“ gesehen hatten?
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Als der Bürgermeister von Detmold mein Briefträger wurde
Das ist eine waaahnsinnig ulkige Geschichte. Leider ist sie etwas kompliziert und verworren, ich muss dafür weit ausholen. Hoffentlich kann ich die Story einigermaßen verständlich rüberbringen…
Also, alles begann, als kurz vor Weihnachten eine Freundin meiner Mutter bei uns klingelte. Sie hatte beim Ausmisten ihres Bücherschranks eine bebilderte Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der Detmolder Gleichstellungsstelle aus dem Jahre 1996 gefunden. Darin war auf dem Knick zwischen Seite 30 und 31 ein Foto abgedruckt, das eine Demonstration von fünf zornigen Damen – mit Protestschildern bewaffnet – für eine Gleichstellungsstelle in der Stadtverwaltung Detmold zeigte. Ebenfalls dabei waren mein Vater und ich, damals höchstens zwei Jahre alt. Weil sie uns das Bild zeigen wollte, hatte Mamas Bekannte uns das Buch vorbeigebracht. Ich wollte das Bild unbedingt haben. Da es aber auf den Knick gedruckt war, konnte man es nicht ausschneiden oder kopieren. Also rief ich bei der Stadtverwaltung an und ließ mich mit der Gleichstellungsbeauftragten, Frau Homeyer, verbinden. Ich fragte sie, ob es eine Möglichkeit gäbe, an das Bild zu kommen, woraufhin sie meinte, ich könnte vorbeikommen und im Archiv nachschauen, vielleicht würde ich das Bild ja finden. Also ging ich am nächsten Tag zum Rathaus zu Frau Homeyer. Sie gab mir einen Pappkarton. „Unser Archiv“, sagte sie lachend. Ich suchte mir das Bild raus und noch ein paar andere, auf denen ich zu sehen war und lieh sie mir aus. Dann ging ich zum Fotogeschäft und bestellte ein paar Kopien von den Bildern. Das dauerte eine Woche. Dann holte ich die Bilder ab. Die Originale mussten aber wieder zurück ins Archiv von Frau Homeyer, also ging ich wieder zum Rathaus. Allerdings war es Freitag und es war auch schon fast vier, also war das Rathaus bereits abgeschlossen. Denn Freitag nach eins macht jeder seins. Als ich gerade wieder umkehren wollte, kam mir der Bürgermeister entgegen. Er hatte gesehen, dass ich vergeblich am Rathaustor gerüttelt hatte und fragte freundlich, ob er mir helfen könne.
---Achtung, erst jetzt beginnt die eigentliche Geschichte---
Ich war reichlich verwirrt, plötzlich vor dem Bürgermeister zu stehen. „Ja“, stammelte ich, „diese Bilder hier müssten zu Frau Homeyer.“ – „Geben Sie her“, meinte der Bürgermeister, „die sehe ich eh am Montag.“ Ich gab ihm die Bilder, die in einem Umschlag steckten. „Vielleicht sollte ich noch draufschreiben, dass die Bilder für Frau Homeyer sind“, überlegte ich laut. Also gab der Bürgermeister mir die Bilder zurück. Ich schrieb im Stehen und mit zitternder Hand – „z.Hd. Frau Ho“ drauf, dann wusste ich nicht mehr weiter und fragte den Bürgermeister: „Schreibt man Hohmeyer mit h?“– „Ja, mit h“, antwortete er knapp und trat auf das andere Bein. Sein Blick schweifte in die Ferne. Es schien ihn zu frösteln, denn er fing an, sich den Unterarm zu reiben. Ich schrieb also „z.Hd. Frau Hohmeyer“ auf den Umschlag und gab ihn dem Bürgermeister. „Ach so, in der Mitte ohne h“, sagte er nachdenklich, als er den bekrickelten Umschlag sah. Aber er nahm ihn mit und ich wünschte ihm ein schönes Wochenende.
War mir auch klar, dass man Homeyer vorne mit h schreibt. Wahrscheinlich hielt der Bürgermeister mich für einen Trottel…
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Wenn
Frauen keine Zeit haben, aber nicht sagen wollen, warum nicht, dann haben sie eigentlich immer einen Termin beim Frauenarzt. Oder sie wollen ein Geschenk für mich kaufen gehen. Das kommt aber eigentlich nie vor.
"Warum sagt ihr nicht, dass ihr zum Gynäkologen müsst?", fragte ich Eva, "wir Männer müssen doch auch zur Prostatavorsorgeuntersuchung." - "Ja, aber doch erst mit 45", antwortete sie.
Da hat sie recht.
Noch 8.533 Tage bis zu meiner ersten Prostatavorsorgeuntersuchung. Hilfe.
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Zwei
Entwicklungen waren damals nötig, damit aus barbarischen Höhlenwesen ohne Tischmanieren die heutigen zivilisierten Menschen mit Profilneurose und Akne werden konnten. Zum einen mussten die Dinosaurier aussterben und zum anderen mussten die Menschen bemerken, dass sich durch Arbeitsteilung viele Arbeitsabläufe effizienter und output-orientierter erledigen ließen. Seitdem teilen wir uns die Arbeit auf und jeder spezialisiert sich auf das, was er am besten kann: Jagen, sammeln, lehren, leeren, Körbe flechten, abzocken…
Nur an einer Stelle funktioniert das nicht: Auf dem Gehweg vor dem Haus. Da muss jeder noch einzeln ran, wenn’s nachts geschneit hat. „Hier hat die soziale Evolution versagt“, sage ich weise und kucke intellektuell über den Rand meiner Brille. Jeden beschissenen Morgen muss ich raus und den scheiß Schnee zur Seite schieben, damit sich kein verdammter Penner auf die Fresse legt. „Warum teilt man nicht auch diese Arbeit unter den Bewohnern einer Straße auf?“, frage ich. „Würdest du denn dann wirklich mit Freuden die ganze Straße frei schippen, wenn du mal dran bist damit?“, fragt mich Erwin*, der alte Fuchs. „Natürlich nicht“, antworte ich, „ich kann ja andere Arbeiten übernehmen innerhalb der Straßengemeinschaft, Minnesang oder politische Kaderschulung zum Beispiel.“
Wirklich, Schnee schippen ist nichts für mich. Ich habe nämlich eine Stelle in der Wirbelsäule, die ich nicht biegen kann und die mir schnell weh tut, eine so genannte oder auch „Skoliose“. Früher musste ich deswegen immer zur Krankengymnastik gehen und alle acht Wochen bei einem depressiven Orthopäden stundenlang im Wartezimmer sitzen, zwischen lauter Rentnern mit Gelenkrheuma. Unschön.
Das mit der Arbeitsteilung in unserer Straße wird wohl nichts. Die Nachbarn sind immer noch sauer, weil ich damals ihre Bürgerinitiative gegen eine Umgestaltung des Naherholungsgebietes (gibt es eigentlich auf Fernerholungsgebiete?) hinter unserer Siedlung verhöhnt habe. „Setzt euch doch für etwas sinnvolles ein“, hatte ich ihnen damals vorgeschlagen, als sie mich für ihre „Sache“ gewinnen wollten. „Zum Beispiel dafür, dass Hundefutter, Kochbücher und Abführmittel endlich von dieser markt-feindlichen Preisbindung befreit werden. Oder dass Pinguine endlich ohne Aufnahmeprüfung Polizisten werden dürfen.“ Dann hatte ich weiter Leslie-Nielsen-Filme gekuckt und der Bürgerinitiative die Tür vor der Nase zugeschlagen. Und so muss ich wohl weiterhin morgens früh rausgehen und mit reichlich Streusalz den Gehweg pökeln.
* Name von der Redaktion erfunden
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